„Mit Spannung erwartet, mit Kopfschütteln quittiert: Der erste große Auftritt von Daniel Fellner als frischgebackener SPÖ-Landesparteichef glich weniger einem politischen Aufbruch als einer rückwärtsgewandten Geisterfahrt durch die vergangenen zwölf Jahre Kärntner SPÖ-Geschichte. Eigentlich wollte man einen Neubeginn feiern, Fellner zelebrierte aber eher eine Art Abrechnungsshow mit seinem eigenen Vorgänger, dem er erhobenen Zeigefinger attestierte“, kommentiert Team Kärnten-Chef Bürgermeister Gerhard Köfer. „Wäre Peter Kaiser nicht selbst anwesend gewesen, hätte man glauben können, Fellner lese aus dem Oppositionsprogramm der FPÖ vor.“
Mit akribischer Detailverliebtheit zählte Fellner all jene Punkte auf, die in der Ära Kaiser, also unter der Regierung Fellners eigenen Partei, schiefgelaufen seien, so Köfer: „Und das von der Budgetpolitik über die schleppende Verwaltung bis hin zur verfehlten Migrationspolitik. Man hätte fast Mitleid mit der SPÖ bekommen, wenn man nicht wüsste, dass Fellner selbst jahrelang die Strippen in der Partei gezogen hat. Er war einer der Chefmechaniker in einer Werkstatt, in der er jetzt lautstark reklamiert, dass die Bremsen quietschen.“
Besonders kreativ scheint Fellners Gedächtnis zu arbeiten, wenn es um seine eigene Rolle geht, betont Köfer: „Kein Wort über seine Jahre als Parteisekretär, kein damaliger Aufschrei aufgrund der Rekordverschuldung. Keine Spur von Widerstand bei der Migrationspolitik war von ihm jemals zu hören.“
Köfer bringt es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „Fellner hat auf offener Bühne bewiesen, dass man sich selbst zur Zukunftshoffnung erklären kann, auch wenn man gestern noch mit am Steuer saß und für die wenig ruhmreiche Vergangenheit die Verantwortung trug. Wir alle dürfen gespannt sein, ob aus dem roten Ankündigungsriesen nicht doch ein roter Umsetzungszwerg wird.“